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Frisch vom Deich – Hamburger entdecken den Cider

Südafrika, Normandie, Hessen – wie lautet der kleinste gemeinsame Nenner dieser Regionen? Nun, sie alle haben eine lebendige Cider-, Cidre- bzw. Äppelwoi-Kultur, was man vom Herkunftsort des neuen Elbler-Bio-Ciders („frisch vom Deich“) nicht behaupten kann. Hamburg wurde in der Vergangenheit selten mit dieser Getränkekategorie in Verbindung gebracht, dabei liegen die einschlägigen Rohstoff-Ressourcen so nah!

Auf der anderen Seite der Elbe, flussabwärts vom STURM-und-DRANG-Büro, liegt das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Mitteleuropas. – das „Alte Land“. Hierhin verschlägt es den Hamburger hin und wieder für einen Tagesausflug oder eine Hochzeitsfeier, hier findet er seine heile Welt auf der anderen Elbseite, die als solche immer an eine gewisse Verdrängungsleistung gekoppelt ist – wird doch das Alte Land nicht nur von Deichen, sondern auch von Errungenschaften der Moderne wie etwa den Airbus-Werken oder einem Atommeiler beflankt. Dieses Faktum tut dem hiesigen Lokalpatriotismus freilich keinen Abbruch. Der Hamburger wird nicht müde zu betonen, dass man in der schönsten Stadt Deutschlands, wenn nicht sogar der Welt lebe. Gleichzeitig wird – etwas paradox – im Konkurrenzkampf mit Metropolen wie Berlin, München und Köln gerne das ‚Hamburger Understatement‘ in Stellung gebracht.

Eben dieser Stategie bedient sich auch die Geschäftsidee der Elbler-Macher. Es wird kein großer Aufriss gemacht, die Nähe zum Hamburger Hafen wird nicht zum Anlass genommen, in die Ferne zu schweifen, vielmehr konzentriert man sich auf das nahegelegene Elb-Obst, um es auf der anderen Seite des Flusses in eine neue Hamburger Cider-Kultur zu überführen. Und so trägt der Elbler als hanseatische Interpretation des Cider (zur Erinnerung: dabei handelt es sich um einen durch Gärung erzeugten Apfelwein, dem Kohlensäure zugefügt wird) nicht mehr die Insignien etwa der hessischen Frivolität und Leichtigkeit (man denke nur an die einschlägigen Seriver-Formate „Bembel“ und „Geripptes“).

Alles am Elbler schreit „Premium!“. Geliefert werden die Flaschen mit gediegenem petrolfarbenem Label. Die Flasche besitzt dezente Abrundungen, die in Einheit von Form und Inhalt an einen Apfel erinnern. Den Elbler gibt es als „Flut“ (mit 5,0% Alkohol, herb, trocken mit wenig Restsüße) und „Ebbe“ (mit 2,5 % Alkohol, mit mildem, lieblichem Geschmack). Auch hier verlässt man sich also auf die ewigen Konstanten des Elb-Universums. Hergestellt aus Bio-Zutaten (d.h. frischen Bio-Äpfeln aus dem Alten Land ohne Zusatz von Aromen, Farbstoffen, Konservierungsmitteln oder Zucker), zahlt das kalorienarme Getränk in moderaten Mengen genossen auf den Gesundheitstrend ein. Allenfalls der naturgemäß hohe Säuregehalt von Cider könnte magenempfindliche Konsumenten zum Bullrichsalz greifen lassen.

Mit diesen Eigenschaften liefert der Elbler gute Argumente für seinen Status als Alternative zu Bier bzw. Biermixgetränken oder im Glas auf Eis genossen zu Weißweinschorle oder Prosecco. Der Genuss von Cider wird allgemein gerne mit Entspannung und Leichtigkeit assoziiert, und vielleicht ist das ein Grund dafür, dass der als kaufmännisch-unterkühlt geltende Hanseate das Getränk bisher nicht zu seinem Relevant Set zählte.

Es ist eben diese Hamburger Geschäftstüchtigkeit, die jüngst eine Vielfalt innovativer Getränke-Konzepte hervorbrachte. Die Gründer von Elbler bewegen sich im Fahrwasser einer Vielzahl jüngerer Food-Start-ups, die gerade im Getränkebereich durch Produkte wie Fritz-Kola bzw. -Limo, Bionade, Aloha, ChariTea oder LemonAid mit der Stadt Hamburg assoziiert werden. Als wäre das nicht genug an lokalpatriotischer Glaubwürdigkeit kommt hinzu, dass es sich bei einem der beiden Elbler-Gründer um einen Ex-HSV-Torwart mit dem sprechenden Namen Stefan Wächter handelt, der seine Profikarriere wegen eines Kreuzbandrisses frühzeitig beenden musste. Wir wünschen unseren Nachbarn mit dem Elbler viel Erfolg. Auf dass er bald in der Champions-League der Cider mitspielen möge!

SPACER

Fotos © Elbler


    Category
    Innovationen
    Author
    Till Huber
    Date
    28.08.2012