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Olafur Eliasson entwickelt die LED-Lampe „Little Sun“

Der Künstler Olafur Eliasson hat zusammen mit dem dänischen Ingenieur Frederik Ottesen eine kleine LED-Lampe kreiert, die den Namen „Little Sun“ trägt. Dieses Produkt ist ein weiteres Beispiel für den Schulterschluss von Kunst und Produktdesign. Darüber hinaus wird mit der Lampe ein besonderer Markt fokussiert: die Dritte Welt.

„Little Sun“ besteht aus robustem Kunststoff und verfügt über ein quadratisches Solar-Panel, das fünf Stunden Sonneneinstrahlung in fünf Stunden LED-Licht verwandeln kann. Die Leuchtstärke der fünf LEDs liegt bei 5 Watt. Durch die blumenartige Form und die Farbe gelb entsteht der Eindruck, es handle sich um eine kleine Sonnenblume mit einem leuchtenden Zentrum. Die staub- und hitzeresistente Lampe hat eine Lebensdauer von drei Jahren. Danach muss der Akku ausgetauscht werden.

Die Lampe wurde konzipiert, um den 1,6 Milliarden Menschen zu helfen, die auf kein funktionierendes Stromnetz zurückgreifen können und denen nach Einbruch der Dunkelheit oftmals nur Öl-Lampen zur Verfügung stehen. Diese bergen einen doppelten Nachteil. Der Erwerb von Petroleum oder Paraffin ist sehr kostspielig und die Schadstoffbelastung ist auf engem Raum sehr groß. Demzufolge soll „Little Sun“ nicht nur ‚gesundes’ Licht liefern, sondern den Nutzern eine Kostenersparnis von bis zu 90 Prozent ermöglichen.

Bei „Little Sun“ handelt es sich um keine Charity-Organisation, sondern um ein profitorientiertes Unternehmen. Das Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 die Lampe 50 Millionen Mal verkauft zu haben – weltweit. In Ländern mit einem stabilen Stromnetz kann „Little Sun“ zum Preis von 20 Euro erworben werden. Mit dem Kauf soll dabei geholfen werden, den Preis für die Lampe in den Ländern der Dritten Welt zu senken. Zurzeit wird die Lampe in Nairobi laut einem FAZ-Bericht für elf Dollar unter die Leute gebracht. Die Produktionskosten liegen für die in China gefertigte Lampe bei 5,50 Dollar.

Der aktuelle Verkaufspreis stellt trotz der versprochenen Einspar- und Gewinnmöglichkeit für Nutzer und Verkäufer eine große Hürde dar, denn in den fokussierten Ländern leben 70 Prozent der Bevölkerung von 1,25 Dollar am Tag. Darüber hinaus bestehe bei solchen Projekten immer die Gefahr, einheimische Märkte durch günstig importierte Produkte zu ersticken.

Der Däne ist aber nicht der erste, der sich mit dem Problem der Elektrifizierung auseinandersetzt. Die Weltbank hat das Projekt „Lighting Africa“ initiiert und auf kleiner Ebene versucht Evans Wadongo unter dem Motto „Just one Lamp“ Solar-Lampen zu etablieren. Hier werden durch Spenden auf lokaler Ebene Materialien bereitgestellt und Lampen gebaut. Der Ertrag soll dazu benutzt werden, um weitere Lampen herzustellen und das Geld in Lebensmittelanbau zu investieren. Für seine Idee hat Wadongo den Titel CNN-Hero bekommen.

Der schwedische Architekt Anders Wilhelmson begreift in einem Interview mit „Innovation Stuntmen“ die Dritte Welt ebenfalls als Markt. Seine Produktidee fokussiert jedoch die Bekämpfung eines anderen Problems: das Fehlen von sanitären Anlagen. Er hat eine sich selbstdesinfizierende und biologisch abbaubare Einweg-Toilette entwickelt.

Die Dritte Welt als Markt wahrzunehmen, erscheint zunächst kein Novum zu sein. Denn große Marken wie Coca-Cola haben massiv in Entwicklungsländer expandiert. Darüber hinaus leiden beispielsweise westafrikanischen Märkte unter französischen Gemüse, das EU-subventioniert oftmals viel billiger zu erwerben ist als einheimisches.

Ein weiteres Beispiel ist der Handel mit Altkleidern. In diesem Zusammenhang wird die Kritik geäußert, dass somit das lokale Bekleidungshandwerk zerstört wird. Die Besonderheit an den ausgewählten Beispielen liegt folglich in dem Versuch, exklusive Produkte für spezielle Bedürfnisse zu kreieren und die ansässige Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten miteinzubeziehen. Darüber hinaus können die Produkte rückwirkend auch für Industrieländer nützlich sein, da die Nutzung von Sonnenlicht oder die Kompostierung an Relevanz gewinnen wird. Bereits im Zusammenhang mit einer neuen Solartechnik von Miles Barr wurde als Perspektive, die Unabhängigkeit von großen Konzernen bei der Energieerzeugung und Selbstbestimmtheit in der Nutzung hervorgehoben.

SPACER

Olafur Eliasson and Frederik Ottesen, Little Sun, 2012
Fotos © Mihret Kebede, Studio Olafur Eliasson


    Category
    Innovationen
    Author
    Stefanie Roenneke
    Date
    11.09.2012