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Thanks for Sharing - Die Spielregeln des „What is mine is yours“.

Das neue MetaMagazin unseres Partners MetaDesign befasst sich mit der Frage, wie ein neues Denken Unternehmen und Gesellschaft zu einer „Balanced Economy" zusammenführen kann. Stefan Baumann diskutiert darin die Spielregeln neuer Tauschbeziehungen.

In beinahe jedem Haushalt der westlichen Industrienationen liegt, irgendwo, eine Bohrmaschine. Jede dieser Bohrmaschinen bohrt im Schnitt mickrige elf Minuten im Laufe ihres gesamten Lebenszyklus. Den restlichen und größten Teil ihres Daseins fristet sie stumm auf dem Regalbrett, zu dessen Anbringung sie ursprünglich gekauft wurde. Was kann uns das einsame Schicksal der Bohrmaschine über den Zustand unserer Wirtschaft verraten?

Laut Prof. Dr. Niko Paech, Wirtschaftswissenschaftler am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg, befinden wir uns mitten im Zeitalter der „Postwachstumsökonomie“, und er ist sich sicher: Die Zukunft liegt in „Tauschbeziehungen im sozialen Nahraum“. In diesem Zeitalter gilt die simple Formel: „The link is more important than the thing“, wie Bernard Cova in seinem Bestseller „Consumer Tribes. From Marketing to Societing“ meint. Ob im Netz oder in der Nachbarschaft – Vertrauen ist die eigentliche Währung, Teilen und Nutzen das neue Besitzen.

Wie konnte es dazu kommen? Warum ist „Shareness“ das Gebot der Zukunft? „Technologie ermöglicht Vertrauen zwischen Fremden“ lesen wir bei Lisa Gansky im Buch „The Mesh. Why the Future of Business is Sharing“. Technisch mündet alles in der „Cloud“. Die Wolke ist auch metaphorisch das Sinnbild dieses neuen Zeitalters, gemeint als „neue Überindividualität“, in der wir unsere virtuelle Identität kollektiv auslagern. Eine Art „Bit-Kommune“ sozusagen. Das frisch wiedergeborene „kommunale Prinzip“ nistet sich im angeschlagenen, globalen Turbokapitalismus ein und bildet die soziale Antithese zum Mehr und Mein der ungebremsten Marktwirtschaft. „Collaborative Consumption: What’s mine is yours“ nennt das die australische soziale Innovatorin Rachel Botsman. Sie identifiziert verschiedene Typen von Systemen gemeinschaftlichen Konsums: Umverteilungsmärkte wie swap.com oder die Berliner Givebox, mittels derer die Lebensspanne von Gegenständen verlängert und – im gleichen Zug – Müll verringert wird; gemeinschaftsbasierte Lebensstile, die auf der gemeinschaftlichen Nutzung von Ressourcen beruhen wie Co-Working (z. B. das Berliner Betahaus) sowie Landsharing (landshare.net in England oder die Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg); und Produktservicesysteme wie Carsharing-Unternehmen oder privates Appartement-Sharing in der Urlaubszeit.

Wer heute verkaufen will, der muss nicht mehr allein das Produktmanagement beherrschen, sondern vor allem das Design des Beziehungsmanagements. Statt über Verkaufstechniken sprechen wir mittlerweile über „Ownership Design“ und „Kundenwertanalysen“. Dazu gehört jetzt auch, dass sich die Unternehmen gezielt mit dem Zweitmarkt ihrer Produkte beschäftigen. Unternehmen wie IKEA richten Tauschbörsen (Swapping) zwischen ihren Kunden ein. Oder nehmen ihre gebrauchten Produkte wieder zurück, um sie in eine neue Lebens- zyklusschleife zu schicken. Für Automobilhersteller natürlich nichts Neues. Für IKEA schon.

Wie reif sind wir also für die „gemeinsame Mehrfamilienbohrmaschine“? Zumindest die Sonntagszeitung lässt sich gut teilen – so rief die „Welt am Sonntag“ kürzlich ihre Leser dazu auf, die gelesene Zeitung dem Nachbarn vor die Tür zu legen, und liefert auch gleich einen passenden „Umschlag“ dafür mit. „Geteilte Freude gleich doppelte Freude“ lautet die eigentliche Formel der Postwachstumswirtschaft.


    Category
    News
    Author
    Stefan Baumann
    Date
    15.05.2012