Sympathie für Dialekte
von Enno Blanke
24.06.2009
Das Stichwort Regionalität gehört zu den spannendsten Themen auf der aktuellen Agenda. Zu den zahlreichen Befunden auf diesem Gebiet gesellen sich eine zunehmende Identifikationsbereitschaft mit der Sprachgemeinschaft auch auf regionaler Ebene und eine hohe emotionale Bindung: die Deutschen lieben ihre Sprache. Anders als früher werden auch die regionalen Dialekte nicht nur toleriert, sondern gelten als sympathisch; „Denglisch“ dagegen stößt auf Skepsis. Die Sympathiewerte für einzelne Dialekte sind dabei unterschiedlich, am sympa- thischsten wirkt der norddeutsche Dialekt.
Die Deutschen lieben ihre Sprache
Das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache und der Lehrstuhl Sozialpsychologie der Universität Mannheim haben in Berlin die Ergebnisse einer in ihrer Komplexität einzigartigen Studie vorgestellt, die Einstellungen und Gefühle der Deutschen zu ihrer Sprache untersucht. In der bundesweiten repräsentativen Studie ging es nicht nur um die deutsche Sprache, sondern auch um Dialekte und Akzente. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Sprachverwendung auch unabhängig vom kommunikativen Kontext ein wichtiges Thema ist. 87 Prozent aller Befragten geben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Zu den genannten Empfindungen der Sprache gegenüber gehören Stolz und Liebe; Deutsch wird als schön, anziehend, logisch, zugleich aber auch als schwierig wahrgenommen. Die emotionale Bindung an die Sprache ist überraschend hoch, Dialektsprecher können Sympathiepunkge gewinnen.
Besorgnis über Sprachveränderung
Für Medien- und PR-Arbeit relevant ist auch die kritische Bewertung von Sprachveränderungen. Die Mehrheit der Befragten betrachtet die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen und Sorge. 84 Prozent der Befragten (1997/98: 53 %) bemerken Veränderungen der Sprache, die sie überwiegend auf den Einfluss fremder Sprachen, vor allem des Englischen, zurückführen; die Hauptverantwortung dafür wird bei den Medien (37 %) gesehen. Vor diesem Hintergrund sind 78 Prozent der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden sollte. Der Anteil der Befragten, die erklären, ein großes Interesse an der Pflege der deutschen Sprache zu haben, beträgt 35 Prozent und hat sich damit innerhalb von 12 Jahren fast verdreifacht. Dazu passt, dass 30 Prozent der Befragten die aktuelle Sprachentwicklung als „eher besorgniserregend“ oder „sehr besorgniserregend“ einstufen. Zu den Ursachen der Veränderung werden neben dem Einfluss des Englischen auch Rechtschreibreform, Jugendsprache und nachlässige Sprachverwendung gezählt.
Dialekte sympathisch
Während früher Dialekte kritisch wahrgenommen wurden, weil sie als Ausweis eines niedrigen sozialen Status galten, empfindet jetzt die überwiegende Mehrheit der Befragten Sympathie für Dialekte. Lediglich eine Minderheit von 9 Prozent gibt an, keinen Dialekt sympathisch zu finden; gleichzeitig findet fast ein Drittel der Befragten keinen der deutschen Dialekte unsympathisch. Der Anteil der Dialektsprecher beträgt dabei mehr als die Hälfte, nämlich 60 Prozent. Dem alten Vorurteil entgegen findet sich kein Zusammenhang zwischen Dialektkompetenz und Bildungsgrad der Sprecher. Die größten Sympathiewerte erreichten die norddeutschen Dialekte, gefolgt von Bairisch und Alemannisch. Auch fremdsprachige Akzente wecken freundliche Gefühle. Beinahe der Hälfte der Befragten (48 %) ist überhaupt kein Akzent unsympathisch. Unter den verschiedenen Akzenten ist der französische mit Abstand der beliebteste (36 %), gefolgt vom italienischen (21 %).
Publikation zur Studie:
Eichinger, Ludwig M. / Gärtig, Anne-Kathrin / Plewnia, Albrecht / Roessel, Janin / Rothe, Astrid / Rudert, Selma / Schoel, Christiane / Stahlberg, Dagmar / Stickel, Gerhard:
Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland. Erste Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativumfrage. 60 S. - Mannheim: Institut für Deutsche Sprache / Universität Mannheim, 2009. ISBN: 978-3-922641-28-9, Preis: 8,00 EUR
Institut für Deutsche Sprache
© Photos: Pixelio-Jan37k / A . Trabold, IDS, Mannheim
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16.06.2008
Die Welt der Schönheit ist eine Welt der ethnischen Besonderheiten und Spleens mit der Gemeinsamkeit, dass die Leute anders sein wollen als …
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