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Climate Fiction – oder die Kraft der Geschichten aus der Zukunft

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ...

… trübe und einsam vor sich hin. Dabei sind die vier Adventslichter eigentlich eine schöne Metapher – symbolisieren sie nicht nur Ankunft, sondern Vorfreude und Neubeginn. Gegen vorweihnachtlichen Trübsinn und gefühlten Verzicht wollen wir – ganz STURM und DRANG – in die Vollen gehen. An jeden Advent geht jetzt nicht nur ein Lichtlein an, sondern ein ganzes Leuchtfeuer, mit dem wir ein Herzensthema, eine Einladung zu einem Event, ein Geschenk in die Welt senden.

Und heute geht’s los:
Wir möchten euch alle, Freunde, Mitarbeiter, Partner, Kunden mitnehmen auf ein Festival bei dem Menschen aus aller Welt ihre Geschichten erzählen. Aber keine Weihnachtsgeschichten oder Märchen, auch nicht ihre Lebensgeschichten. Es werden Geschichten aus der Zukunft geteilt. Geschichten, die aufrütteln, Diskussionen anfachen, Angst und Mut machen.

Das erste Licht:
Cli-Fi – Climate Fiction – oder die Kraft der Geschichten aus der Zukunft

Geschichten sind nicht nur etwas für lange, dunkle Vorweihnachtsnächte. Wir brauchen sie täglich, um der Welt um uns herum Sinn zu geben. Vieles, was heutzutage da draußen passiert, ist uns zu abstrakt. Wir können es weder emotional begreifen, geschweige denn unser Verhalten danach auszurichten. Da geben Geschichten, die Ereignisse und Daten scheinbar plausibel zusammenbringen, uns Orientierung – vor allem, was die zunehmend unplanbare Zukunft angeht. Kim S. Robinson fasst es so zusammen: We’re in a science fiction novel, as a culture. Science fiction is the realism of our time.

 

Der Klimawandel ist solch ein großes, aber abstraktes Thema, welches für uns Menschen zwar extrem relevant, aber auch sehr schwer zu fassen ist. Die rationale Seite unseres Gehirns, das System 2, erkennt das Problem zwar: immerhin 70% der Menschen in der westlichen Welt nennen Klimawandel als das wichtigste Problem. Aber um die Masse Mensch in die Aktion zu bringen braucht es viel mehr – zum Beispiel starke Narrative. Narrative, die aus der kalten Faktenlage einen emotionalen Treibstoff machen können. Sonst ziehen wir vor das Thema in unserem Alltag zu ignorieren und keine Konsequenzen zu ziehen. Ein interessantes Buch zu diesem Thema: Don't Even Think About It: Why Our Brains Are Wired to Ignore Climate Change von George Marshall.

Hier kommt das hochaktuelle Genre des “Climate Fiction”, auch kurz „Cli Fi“ ins Spiel. Vom 4.-6. Dezember findet online über die Website des Literaturhaus Berlin das erste, mehrtägige Cli Fi Festival statt. Vom heimischen Wohnzimmersessel aus hören wir internationale Science Fiction Autoren und ihre Fiction rund um den Klimawandel.

In Cli Fi werden der Klimawandel und seine Auswirkungen auf zukünftige soziale, kulturelle und politische Strukturen verhandelt. Und man ahnt es: Cli Fi malt die Zukunft oft negativ aus und ist daher – wie jede Dystopie – selten angenehm zu lesen. Denn während man Tabellen, Diagramme, Zahlen zum Klimawandel noch ganz gut ertragen kann, packt uns eine starke Narration ganz anders. Es entstehen Bilder und Emotionen zur Zukunft in uns, die Ängste erzeugen und verstärken können. Um Himmels Willen ­ also jetzt lieber doch kein Cli Fi Festival? Doch, denn gute, plausible Narrationen erzeugen im Leser Identifikation mit dem Protagonisten und die Bereitschaft für Wandel. Das Phänomen nennt sich Narrative Persuasion.

Um diesen Wandel zu gestalten, ist es natürlich gerade heute extrem wichtig, sich die Zukunft und seine eigene Rolle darin auszumalen: Als Mensch, als Führungskraft, als Unternehmer. Und gerade weil kulturbedingt vor allem uns Deutschen die negativen Bilder und Dystopien realistisch erscheinen (wen wundert es auch angesichts der aktuellen Trägheit und Lähmung nahezu aller Systeme, wenn es um große Entscheidungen geht) braucht es noch etwas anderes. Laut einer Studie aus 2020 ist es ausschlaggebend wie der Protagonist die gestellte Herausforderung meistert. Ist der Protagonist im Cli Fi hilflos, frustriert oder fatalistisch, scheint auch der Leser zu glauben, der Kampf sei verloren und sieht auch im realen Leben wenig Hoffnung und Sinn in einer Veränderung seines Verhaltens. Es braucht also wünschenswerte Zukünfte und Protagonisten, die glaubwürdig die Brücke von einem scheinbar aussichtslosen Heute in ein besseres Morgen bauen, um Menschen ins Machen zu bringen.

Die gute Nachricht: es gibt sie, diese realistischen aber positive Zukunftsentwürfe: Für die Weihnachtszeit empfehlen wir allen Interessierten den brandneu erschienenen Cli Fi Roman: “The Ministry for the future“ von Kim Stanley Robinson, einem höchst anerkannten, wissenschaftlich orientierten Science-Fiction-Schriftsteller der USA. Er befasst sich seit zwanzig Jahren vorwiegend mit dem Thema Klimawandel und liefert einen großartig recherchierten, multiperspektivischen Entwurf einer wünschenswerten Zukunft. Schön: Protagonist des Buches und Chef des namensgebenden Ministry for the Future ist eine Frau. Noch schöner: ihr Name – passend zur Adventszeit: Mary.

 

Einen zukunftsfrohen, ersten Advent wünscht,

euer STURM und DRANG Team

 

Wir sehen uns beim Cli Fi Festival.