#MINDSET2030

Alena Hausruckinger
Cultural Innovation Strategist
04.11.2021 | Lesezeit: 3 Minuten

CHANGING CULTURES MAGAZIN > MINDSET2030 > arts | BUSINESS | science: Laura Gehlhaar

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5 Fragen an Laura Gehlhaar über Berührungsängste im Alltag mit Menschen mit Behinderungen, Ableismus und konkrete Forderungen, Erwartungen und Wünsche an Unternehmen und die Gesellschaft im Allgemeinen in Bezug auf Diversity und Inklusion. Laura ist Autorin, Beraterin, Coach für Inklusion, Barrierefreiheit und Rechte von Menschen mit Behinderung.

 

 

Laura Gehlhaar setzt sich für mehr Inklusion von Menschen mit Be-hinderungen in der deutschen Gesellschaft ein. Im September 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem Titel Kann man da noch was machen? Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin.

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STURMundDRANG: Viele Menschen haben im ersten Moment Berührungsängste im Umgang und Gespräch mit Menschen mit Behinderung, da ihnen oftmals die Berührungspunkte fehlen. Was sind Deine Tipps, um diese Ängste zu überwinden?

Laura: Statt von Berührungsängsten im Umgang spreche ich lieber von Unsicherheiten bei Begegnungen mit Menschen mit Behinderung. Diese resultieren auch daraus, dass behinderte Menschen kein selbstverständlicher und gewohnter Teil des öffentlichen Lebens sind. Ein Hauptgrund dafür ist die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderung in Deutschland, die sie an der Teilnahme am öffentlichen Leben aktiv hindert. Ich bin mir sicher, dass bestimmte Unsicherheiten verschwinden, wenn wir diese Verhältnisse verändern. Bis es soweit ist, wünsche ich mir die Akzeptanz und Wertschätzung, dass Körper unterschiedlich sind.

 

SuD: Im Kontext von Inklusion und Antidiskriminierung stößt man immer wieder auf die Begriffe „Ableismus“ und „Ally“. Kannst Du uns erläutern, was diese Begriffe (für Dich) bedeuten?

Laura: Der Begriff Ableismus beschreibt ein Spektrum von Diskriminierungsarten, denen behinderte Menschen im Wesentlichen auf zwei verschiedene Arten ausgesetzt sind. Einerseits ist damit der – meist falsche, unhinterfragte und stereotype – Blick von nicht behinderten auf behinderte Menschen gemeint. Andererseits beschreibt er eine gesellschaftliche Norm, in die behinderte Menschen nicht integriert sind beziehungsweise werden.

Ally ist eine Bezeichnung für einen Menschen, der sich für andere Diskriminierungsformen ausgesetzten Menschen einsetzt, von denen er selbst nicht betroffen ist.

 

SuD: Was war der Auslöser oder ist Deine Motivation Dich auf Inklusion und Antidiskriminierung zu fokussieren und dafür zu mobilisieren?

Laura: Die Freiheiten, Rechte und Privilegien, die unsere Demokratie auf dem Papier allen Menschen garantiert, gelten tatsächlich nur für einen bestimmten und relativ kleinen Teil unserer Gesellschaft. Mit meiner Arbeit möchte ich zur Veränderung dieser Verhältnisse beitragen.

 

SuD: Welche konkreten Forderungen, Erwartungen und Wünsche hast Du an Marken und Unternehmen und die Gesellschaft im Allgemeinen in Bezug auf Diversity und Inklusion?

Laura: Diversity und Inklusion dürfen keine flüchtigen Kampagnen-Schlagworte sein, sondern müssen gelebter Teil nachhaltiger Corporate Culture sein.

 

SuD: Als Aktivistin und Beraterin für Inklusion und Antidiskriminierung, was ist Deine größte Vision für die Zukunft, die Du mit Deiner Arbeit erreichen möchtest?

Laura: Wenn ich mithelfen kann, dass behinderte Menschen sich in all ihren Lebensbereichen selbstbewusster, selbstverständlicher und auf Augenhöhe mit Nichtbehinderten bewegen, bin ich zufrieden.

 

Profilbild @Schall & Schnabel | ©Marcus Aurelius | ©Andi Weiland

Mehr zum Thema Inklusion? Hier findest du den ersten Teil unserer Serie Diversity – überall verwendet und doch zu kurz gedacht?