#MINDSET2030

Karolina Braun
Marketing Strategin & Designerin
13.04.2022 | Lesezeit: 4 Minuten

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arts | business | SCIENCE

5 Fragen an Tim R. Schleicher von LEAD Machine Learning über Herausforderungen, Grenzen und zukünftige Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz auf dem Weg zur regenerativen Zukunft.

Der digitale Wandel betrifft jede Organisation. Alles ist komplex, beschleunigt, global. Die Ansprüche an Menschen in Führungspositionen wachsen und verändern sich. Im Zusammenspiel mit wirksamer Führung kann Künstliche Intelligenz (KI) eine entscheidende Rolle spielen, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten. LEAD Machine Learning kombiniert dabei die co-kreative Implementierung von KI-Prototypen zur Lösung aktueller Herausforderungen mit Organisationsentwicklung – auch im Sinne eines gesellschaftlichen Beitrags.

Themen: Machine Learning, Data Science, Change Management, Leadership Development

 

Tim R. Schleicher ist Geschäfts-führer und Gründer von LEAD Machine Learning.

Das zwölfköpfige Team begleitet Organisationen dabei, Künstliche Intelligenz (KI) in Unternehmen zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Denn KI kann Organisationen und ihre Wirksamkeit auf ein ganz neues Level heben – wenn man’s denn richtig macht. Das geht über schnelle, ko-kreativ mit Führungs-kräften und Mitarbeitenden ent-wickelte Prototypen und eine Kul-turtransformation, die es in sich hat.

STURMundDRANG: Unsere Welt verändert sich rasant. Für welche unserer Herausforderungen ist Künstliche Intelligenz die Antwort?

Tim R. Schleicher: KI ist zunächst eine Methode, oder besser: ein Werkzeug, das uns hilft, menschliche Intelligenz nachzuahmen. Da sieht jede Herausforderung schnell aus wie der Nagel für den Hammer. Bei besserem Hinsehen stellen wir aber fest, dass der heutige zentrale Teilbereich von KI, Machine Learning, dann besonders wirkungsvoll ist, wenn wir zur Bewältigung der Herausforderung Daten vorliegen haben oder eine Datenbasis aufbauen können. Machine Learning heißt dann, aus diesen Daten zu lernen, wie Menschen es tun würden – nämlich über Erfahrung, also Datensammlung und -auswertung, Wissen aufzubauen.

Wenn wir beispielsweise frühzeitig Krankheiten auf MRT-Scans erkennen und so die Gesundheitsversorgung verbessern wollen, dann brauchen wir dafür zunächst die richtige Datenbasis, also gekennzeichnete Bilder, auf denen die Erkrankung identifiziert wurde und Bilder, auf denen keine ist. So ist es bei den allermeisten KI-Anwendungsfällen. Daten sind übrigens nicht nur das, was man in Excel-Dateien hat, sondern eben auch Satellitenbilder oder z.B. Gerichtsurteile.

 

SuD: Wie kann KI hier ansetzen und eine Lösung bieten?

Tim R. Schleicher: KI kann aus zwei Herangehensweisen Lösungen kreieren. Zum einen sind es die großen Disruptionen, bei denen KI ganz neue Welten und Business-Modelle ermöglicht. Das sind die Lösungen, über die viel öffentlich gesprochen wird, z.B. autonomes Fahren. Und gleichzeitig gibt es eben auch die kleinen Verbesserungen in unserem Alltag, in Produktionsabläufen, in Vertriebsprozessen. Wenn z.B. ein mittelständischer Stahlverarbeiter jetzt KI nutzt, um nachhaltiger zu produzieren, indem Auftragsfertigung und Vertrieb smart kombiniert werden, dann ist das erstmal keine Disruption, aber sehr wohl ein signifikanter Beitrag zu Nachhaltigkeit und erfolgreichem Wirtschaften.

SuD: Warum sind künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen lange Zeit auf Widerstand gestoßen und wie bewertet die Gesellschaft heutzutage den Einsatz von KI? Was waren die Gründe für den (möglichen) Wandel?

Tim R. Schleicher: Ich sehe zwei zentrale Gründe für den Widerstand.

Erstens: Zu lange haben wir KI in unser aller Köpfe mit Terminator oder Cambridge Analytica und nicht mit R2D2 verbunden. So wurden Gefahren überhöht und Potentiale nicht sichtbar gemacht. Zweitens: Die gesellschaftlich mehrwertigen Leuchtturmprojekte rund um KI, die sehr wohl existieren, wurden von CEOs und Medien nicht ausreichend gewürdigt. Die Pionier:innen, die vorweg gegangen sind, hatten selten die nötige tiefgreifende Unterstützung, die über einen schnellen Proof-of-Concept hinausging. KI ist und bleibt ein Kulturthema.

Aber es hat sich viel getan. Wenn jetzt z.B. die Berliner Entsorgungswirtschaft in KI richtig Fahrt aufnimmt, dann ist das ein gutes Signal in die Gesellschaft: Es kann klappen und richtig begeistern. Wenn die einen anfangen, ziehen die anderen nach. Am besten in Kooperation, denn die ist dringend nötig, um den KI-Riesen außerhalb Europas Paroli bieten zu können. Wir müssen die Mutigen unterstützen.

 

SuD: Was kann KI für eine regenerative Zukunft beitragen?

Tim R. Schleicher: Im Großen wird KI wohl eine zunehmend wichtige Rolle in einem Energiesystem mit hohen Anteilen von erneuerbaren Energien und der gewohnt hohen Versorgungssicherheit zuteil. Wir haben dort z.B. eine enorme Herausforderung, die zeitlich zunehmend variierende Erzeugung der unterschiedlichen Energieträger mit den Abnehmern in Industrie und privaten Haushalten zusammenzubringen. Eigentlich die perfekte KI-Herausforderung. Im Kleinen kann KI von Smart Home bis Smart Mülltrennung natürlich schon einen wichtigen Beitrag leisten.

 

 

SuD: Was können wir in Zukunft noch erwarten und wo liegen die Grenzen von KI?

Tim R. Schleicher: Ist irgendjemandem noch wirklich bewusst, dass die Ergebnisse der Google-Suche von einer KI kommen? Nein, oder? Und so wird es in vielen anderen Lebensbereichen auch bald sein. KI ist dann Standard. Das Zeitalter der Digitalisierung ist vielmehr ein Zeitalter der Daten. Selbstlernende Systeme – das klingt vielleicht besser als KI – sind dann einfach Teil unseres Lebens. Grenzen gibt es fast keine, es sei denn, wir setzen sie. Und dafür brauchen wir in Europa ein funktionierendes Wechselspiel aus Mut und Regulierung. Denn ohne tiefgreifende Erfahrung mit KI kann man sie auch nicht verantwortungsvoll steuern. Alles verbieten tut’s da natürlich nicht. Vielmehr müssen wir KI als Führungsaufgabe für uns als Gesellschaft sehen. Da wird es Zeit zu handeln.

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