#CODES & NARRATIVE

Wiebke Eberhardt
New Business und Marketing Strategist
23.11.2021 | Lesezeit: 2 Minuten

CHANGING CULTURES MAGAZIN > CODES & NARRATIVE > Black Friday & die Beziehung zur Natur

Black Friday und unsere Beziehung zur Natur

Wie sich die Bedeutung des Black Friday verändert hat: Signale für einen kulturellen Wandel zu einer nachhaltigeren Konsumgesellschaft

Der "Black Friday", wie wir ihn heute kennen, ist in den 1970er Jahren in den USA entstanden. Seitdem ist der Tag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving zu einem immer globaleren Symbol der Konsumkultur geworden. Warum ausgerechnet schwarz? Der Black Friday markiert für viele Unternehmen den Moment, in dem sie beginnen Gewinne zu erwirtschaften, indem sie „aus den roten Zahlen" in die „schwarzen Zahlen" übergehen.

Aber die Bedeutung des Black Fridays ist häufig nicht mehr das, was sie einmal war. Von einem Symbol für Gewinn, Erfolg und Belohnungen hat sich dieser Tag auch durch die globale Verbreitung zu einem Zeugnis exzessiver Konsumkultur gewandelt. Als Gegenentwurf ist in den letzten Jahren der "Green Friday" entstanden und für Unternehmen zu einer Gelegenheit geworden, den Freitag nach Thanksgiving mit Hashtags wie #buynothingday einer neuen Sensibilität zu verbinden. Vieler der den Green Friday propagierenden Unternehmen setzen sich in ihren Botschaften und Geschäftsmodellen für ein nachhaltigeres Konsumverhalten und den Schutz der Umwelt ein. Beispielsweise nutzt Everlane, eine US-amerikanische, nachhaltige und direkt an den Verbraucher gerichtete Marke, den Green Friday 2020, um das Ökologie-Bewusstsein zu schärfen und spendet 300.000 Dollar an Oceana, für den Kampf gegen Einwegplastik.

Bei STURMundDRANG verfolgen wir vor allem Signale und Strömungen rund um die kulturelle Veränderungen und wenn wir uns Everlanes Green-Friday-Initiative ansehen, finden wir beachtlich wie sich das Blatt nicht nur in Bezug auf den Konsum, sondern auch in Bezug auf Plastik gewendet hat. In den 1950er Jahren schrieb Roland Barthes, der bekannte französische Denker, im Rahmen seiner Mythologiesammlung einen kurzen Artikel über Plastik. Darin wundert er sich über die Durchdringung von Plastik als eine neue Art von künstlichem Material, das er als symptomatisch für seine Epoche ansieht. Den Ehrgeiz der bisherigen künstliche Materialien, die versuchten, luxuriöse und seltene natürliche Substanzen wie Diamanten, Seide und Federn zu imitieren, findet Barthes im Plastik nicht. Es ahmt die Natur nicht nur nicht nach, es ist an ihr auch völlig desinteressiert. Stattdessen definiert es sich durch seine alltägliche Praxistauglichkeit. Hochmütig prosaisch, reduziert Plastik die Schönheit, Haptik und Vielfalt der Natur auf eine konzentrierte und effiziente Funktion. In der Zukunft, so Barthes düster, "kann die ganze Welt plastifiziert werden. Man erzähle sich, es können sogar plastische Aorten hergestellt werden."

Unsere Vision von der Zukunft sagt viel über unsere Gegenwart aus. Wo in den 1950er Jahren der kulturelle Aufschwung in die Richtung einer Welt aus Kunststoff zog, träumen heute Marken wie Everlane von einer Zukunft, in der es gar kein Plastik mehr gibt.

Wie sieht also an diesem Freitag, dem 26. November 2021, Ihre ideale Zukunft aus? Ist sie schwarz oder grün?