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Das zweite Advents-Licht…

… handelt von der Neuentdeckung unserer Beziehung zur Natur

Was wäre das Märchen ohne den Wald? Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Sternthaler – sind nur eine kleine Auswahl der Helden, die im Märchen in den Wald hinausziehen. Die Welt des Waldes ist dunkel und von Geheimnissen umgeben. Der Weg dorthin scheint nicht leicht zu sein und doch verspricht der Wald die Lösung für Sorgen und Nöte des Alltags. Was aus dem Gleichgewicht gekommen ist, wird im Wald durch die umfassende Kraft der Natur wieder in einen natürlichen Rhythmus gebracht.

 

Auch heute ist der Wald für viele (Stadt-) Menschen ein willkommener Rückzugs- und Erholungsort: ein Platz, an dem der Körper zur Ruhe kommt und die Sinne angeregt werden von Geräuschen, Gerüchen und Rhythmen, die uns im urbanen Alltag kaum erreichen. Doch unser Verhältnis zum Wald ist ambivalent: Brände und Kahlschlag in Brasilien, Streit im Hambacher Forst, Rodung von ca. 40 Fußballfeldern Tropenwald – in der Minute. Der Wald ist umkämpft.

Die holzwirtschaftliche Nutzung des Waldes ermöglichte den Menschen den Bau von Hütten und Häusern – doch mit dem Kahlschlag entstanden auch zwei unterschiedliche Lebensräume – Wald und Lichtung - und mit jedem Tag, den wir uns auf der Lichtung einrichteten, entfernten wir uns von der ursprünglichen Heimat. Im Nutzwald war für Hänsel und Gretel einfach kein Platz.

Heute sind die Wälder mit den menschlichen Anforderungen überfordert: Sie sollen als Kohlenstoffspeicher das Klima schützen die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt sichern und Unmengen von Holz als Rohstoff bereitstellen. Jedes Jahr verlieren wir Waldflächen, in den Tropen verschwinden pro Jahr 2.101 Quadratkilometer.

 

Die Natur ist mehr als eine Ansammlung von Ressourcen. Die Quantifizierung der Natur, unser ständiger Steigerungszwang führt zu einer künstlichen Trennung von unserer Umwelt. Es entsteht ein Gefühl von Schuld und Verlust und gleichzeitig erwacht eine Sehnsucht nach Natur. Der Philosoph und Mathematiker Charles Eisenstein fasst die bevorstehende Herausforderung so zusammen:

Um unsere Welt zu heilen, müssen wir nicht zuerst CO2 reduzieren, sondern unsere Beziehung mit der Natur heilen.

 

Hartmut Rosa beschreibt eine gesunde Art der Weltbeziehung mit dem Begriff „Resonanz“.  Resonanz ist eine Art innerer Widerhall der entsteht, wenn wir von etwas berührt werden und uns ergriffen fühlen und in Interaktion treten mit einem Menschen, einem Gebäude oder einer Landschaft. Und das schöne ist - diese Resonanzmomente kann man nicht kaufen, man kann sie nicht erzwingen. Und so steht die Resonanzlogik im Gegensatz zur Steigerungslogik, die die Natur zerstört.

Die gute Nachricht: die Wälder lassen sich unter den richtigen Umständen wieder aufforsten. Deshalb möchten wir mit unserem zweiten Advents-Licht unsere Beziehung zur Natur stärken – als Teil des Projekts Generationenwald. Es ist ein Waldprinzip, das geschaffen wurde, um den neuen, zirkulären Anforderungen von Menschen und Umwelt gerecht zu werden. Hier werden Wälder nicht wie Plantagen kahlgeschlagen, sondern junge und alte Bäume in einem dauerhaften System kultiviert: So haben die unterschiedlichen Generationen von Bäumen einen positiven Effekt auf den Wald und die Tiere, die in ihm leben.

Es gibt uns ein gutes Gefühl, jetzt Teil einer Genossenschaft zu sein, die ihr Geld in eine sinnvolle und nachhaltige Lösung investiert und sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung „unseres Waldes“. Euch möchten wir an dieser Stelle einladen, im Wald mehr als nur die bloße Ressource zu sehen und den nächsten Sonntagsspaziergang vielleicht für einen ausgiebiges Bad im Wald zu nutzen. Es ist den Versuch wert, die Beziehung zur Natur beim nächsten Waldspaziergang zu erneuern und mit ihr „in Resonanz zu gehen“, mit jedem Atemzug zu spüren, hören, riechen und fühlen, wie sie immer schon ein Teil von uns war und wir von ihr.

 

Einen wunderschönen zweiten Advent,

euer STURM und DRANG Team