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Aus der Gen Z

Dass uns das Internet unbegrenzten Zugang zu Wissen bietet, ist mittlerweile in den Köpfen der Menschen angekommen. Produkte, Lebensweisen und ganze Arbeitswelten haben sich umgewälzt auf Grund der technologischen Errungenschaften der letzten Jahre und Jahrzehnte. Herausgekommen ist dabei eine heranwachsende Generation voller Alleskönner: Die Gen Z. Nicht, weil wir alles können, sondern weil wir wissen, wo wir suchen müssen.

YouTube-Tutorial – ja, bitte!

Mit der Gründung von YouTube im Jahr 2005 durch die drei ehemaligen PayPal-Mitarbeiter Hurley, Karim und Chen entstand ein Internetgigant. Am Anfang als kleine Spielerei zur „Übertragung“ des eigenen Lebens gedacht, ist YouTube – mittlerweile im Besitz von Google – ein Ort wie die Google-Suchmaschine selbst, nur im Videoformat. 400 Stunden Videomaterial pro Minute werden auf YouTube publiziert und sorgen dafür, dass es nach Google die am zweithäufigsten genutzte Suchmaschine weltweit ist. Und nebenbei auch noch ein Multimilliarden US-Dollar Geschäft.

Das noch vor einigen Jahren belächelte YouTube-Tutorial ist im Lauf der Zeit zu einem sinnvollen Tool geworden. Das liegt sowohl an Quantität als auch Qualität der Content Producer – beides hat sich merklich verbessert. Wer heute auf YouTube nach etwas sucht, findet es – in nahezu 100% der Fälle.
Meine Generation macht sich das aktiv und regelmäßig zu Nutzen.

Skill-Learning im Share-Modell

Es wäre vermessen zu sagen, YouTube sei eine Bildungsplattform. Aber wie bei jeder großen Online-Plattform gilt: Nicht die Plattform, sondern der Nutzer, bestimmt die Nutzung. Inmitten von Prominews, sinnfreien Unterhaltungskanälen oder „Try-not-to-Laugh-Challenges“, haben sich Creator auf YouTube einen Namen gemacht, die ihre Erfahrung und ihr Wissen vermitteln – kompakt, durchdacht und völlig kostenfrei.

Ich bin nicht der einzige aus meiner Generation, der sich das immer öfter zu Nutzen macht. Über ein Schulprojekt entdeckte ich mein Interesse an der Foto- und Videografie, musste aber feststellen, dass ich mich auf dem Gebiet kaum auskenne. Also setzte ich mich mit der Materie auseinander, bis ich das Projekt abschließen konnte.
Was danach blieb, war die Neugierde, noch mehr über Foto- und Videographie zu lernen.

Ich durchforstete also das Netz stundenlang nach Input und konnte so aus vielen Puzzlestücken ein solides Grundwissen aufbauen. Ein wichtiger Bestandteil: Peter McKinnon. Ein charismatischer, kanadischer Fotograf mit knapp 4 Millionen Abonnenten auf YouTube. Er leitete mich tagelang virtuell auf meinem Weg durch die komplexe Welt der Foto- und Videografie. Heute kenne ich mich für jemanden, der von Null gestartet ist, gut aus, besitze mittlerweile meine eigene Kamera, fotografiere und bearbeite gerne. Dank Youtube und Co konnte ich einen Skill erlernen – einfach aus meinem persönlichen Interesse heraus.

Youtube taugt jedoch nicht nur für hobbymäßige Leidenschaften – auch ganz alltägliche Dinge lassen sich mit Hilfe aus dem Netz bewältigen: Die Installation oder Reparatur eines technischen Geräts, ein Tastenkürzel, eine Funktion in einem Programm. Für mich ist das selbstverständlich. Dinge, die ich nicht weiß, aber gerne wissen möchte oder zu einem bestimmten Zeitpunkt wissen muss, recherchiere ich einfach. Als Gen Z’er weiß ich meist, wo und nach was ich suchen muss, um zum Ziel zu gelangen.

 

Kulturwandel in der Problemlösung

Anderes beobachte ich zum Beispiel bei meinen Eltern. Es verwundert mich, dass diese Art der Internetnutzung scheinbar kaum in älteren Generationen angekommen ist. Ich glaube nicht, dass das grundlegende Wissen zu vorhandenen Möglichkeiten fehlt.
Im Gegenteil: Gerade durch den Vergleich zwischen Nicht-Digitalem und Digitalem, den meine Generation nicht aus persönlicher Erfahrung ziehen kann, gehen ältere Generationen – so denke ich – reflektierter mit neuen Medien und ihren Vor- und Nachteilen um. Sie lassen sie allerdings weniger in den Alltag einfließen, als es meine Generation tut. Hat man sein halbes Leben nicht die Vorzüge des Internets genießen dürfen, scheint es schwierig, plötzlich damit zu beginnen. Meine Eltern beweisen mir das immer wieder eindrucksvoll: Ob Drucker oder Wlan-Router – funktioniert etwas nicht so wie erwartet, sind sie nicht in der Lage das Problem eigenständig zu lösen. Stattdessen müssen meine Brüder oder ich aushelfen, auch wenn wir von dem Problem eventuell ebenso wenig wissen.

Dinge lernen, Wissen aneignen, Probleme lösen. All das ist mit dem Internet möglich und macht meine Generation, die es versteht, sich die Vorteile des Netzes zu Nutzen zu machen, zu Alleskönnern. Nicht, weil wir alles wissen, sondern weil wir wissen, wo wir suchen müssen.

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Autor: Jonas-Mika Senghaas

Jonas-Mika Senghaas hat seine Schule vor einigen Monaten mit dem Abitur abgeschlossen und strebt nun eine Karriere beim FC St. Pauli an, wo er momentan in der U19 kickt. Parallel ist er Praktikant bei STURM und DRANG für die kommenden drei Monate und wird unter anderem das Autorenteam des „Future Culture Magazines“ ergänzen. In seiner Reihe „Aus der Gen Z“ bezieht er stellvertretend zu Themen Stellung, die seine Generation betreffen und beschäftigen.