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Zero Hunger in 2030 – Innovation und Kulturwandel bei der Welthungerhilfe

Innovationsworkshops entfalten ihre Wirkung, wenn sie Menschen mit Haltung, einem klaren Ziel und organisationaler Rückendeckung zusammenbringen. Als Teil einer größeren Reise verankern sie Innovation nicht als Projekt, sondern als gelebte Kultur.

Der Kampf gegen den Hunger ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Für die Welthungerhilfe stellt sich dabei nicht nur eine praktische, sondern auch eine kulturelle Frage: Wie lassen sich wirklich neue, wirksame Lösungen entwickeln – und wie kann Innovation so in der Organisation verankert werden, dass sie langfristig Wirkung entfaltet?

Vor dem Hintergrund des Ziels „Zero Hunger by 2030“ ging es darum, Innovationsfähigkeit nicht nur punktuell zu aktivieren, sondern als kulturelle Kompetenz aufzubauen – über Abteilungen, Länder und Funktionen hinweg.

AUFGABE

Innovation ermöglichen – und kulturellen Wandel anstoßen

Die zentrale Herausforderung lautete:

  • Wie kann die Welthungerhilfe innovative Ansätze im Kampf gegen den Hunger entwickeln, die über bestehende Programme hinausgehen?
  • Welche Methoden und Arbeitsweisen müssen dafür erlernt und angewendet werden?
  • Und wie kann Innovation gleichzeitig zum Treiber eines breiteren kulturellen Wandels innerhalb der Organisation werden?

Ziel war es, neue Strategien, Formen der Zusammenarbeit und konkrete Lösungsansätze zu entwickeln – und dabei den Grundstein für eine innovativere Organisationskultur zu legen.

ANSATZ

Innovation als gemeinsamer Lernprozess

Als Partner des damaligen Vorstandsvorsitzenden und des neu gegründeten Innovationsteams konzipierte und moderierte STURMundDRANG ein Innovation Camp in Delhi. Dafür rekrutierten wir in einem internen Ideen-Wettbewerb innovative Köpfe aus allen Bereichen der Organisation, die gemeinsam neue Innovationsmethoden erlernten und diese direkt auf reale, zuvor definierte Kernproblemfelder anwendeten.

Ein zentrales Element des Ansatzes war die Kombination aus:

  • interdisziplinären, internationalen Workshop-Teams
  • und einem internen Soundingboard, das parallel als digitale Community eingebunden war
  • echte intrinsische Motivation durch Bewerbngsverfahren

Ein Teil der Bewerber*innen nahm aktiv am Innovation Camp teil, ein anderer Teil wurde Teil dieses Soundingboards, das Ideen feedbackte, bewertete und gezielt weiterentwickelte. Durch die Zeitverschiebung arbeitete das Soundingboard quasi „über Nacht“ – sodass die Teilnehmenden am nächsten Tag direkt mit fundiertem Feedback weiterarbeiten konnten.

UMSETZUNG

Globale Zusammenarbeit, reale Problemfelder, iterative Entwicklung

Die Teilnehmenden aus unterschiedlichen Ländern und Funktionen arbeiteten in gemischten Teams an klar definierten Kernproblemfeldern. Die Ideen wurden iterativ weiterentwickelt und kontinuierlich geprüft – mit dem Ziel sicherzustellen, dass sie:

  • relevant für unterschiedliche kulturelle Kontexte sind
  • skalierbar und für einen globalen Rollout geeignet sind
  • sowohl operative als auch kulturelle Wirkung entfalten

Die finalen Konzepte wurden anschließend gemeinsam mit externen Partnern in Prototypen überführt und in die Umsetzung gebracht.

ERGEBNIS

Von Workshops zu realer Wirkung

Das Innovation Camp führte zu konkreten, umsetzungsreifen Ergebnissen:

  • Zwölf Umsetzungspläne für innovative Maßnahmen im Kampf gegen den Hunger
  • Drei Ideen, die direkt implementiert wurden
  • Zwei dieser Ideen wurden vom UN World Food Programme ausgezeichnet und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt

Die entwickelten Lösungen wurden finanziell ausgestattet und befinden sich heute bereits erfolgreich in der Anwendung in mehreren Ländern.

BEISPIEL

Child Growth Monitor (CGM)

Eine der zentralen Innovationen ist der Child Growth Monitor (CGM) – ein von der Welthungerhilfe entwickeltes Monitoring- und Dialoginstrument. Mit dem CGM wird das Wachstum von Kindern regelmäßig erfasst und gemeinsam mit Eltern und Gemeinden ausgewertet, um Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und gezielt zu handeln.

Der CGM basiert auf den WHO-Wachstumsstandards, wurde jedoch als Ansatz und Tool konkret von der Welthungerhilfe konzipiert, getestet und verbreitet – und verbindet technische Präzision mit partizipativer, kulturell sensibler Arbeit vor Ort.

Ein Smartphone zeigt eine Anwendung.

Dass wir mit Hilfe von STURMundDRANG zwei Ideen entwickelt haben, die das Potenzial haben, im Kampf gegen den Hunger wirklich wirksam zu werden – eine technische Innovation und eine eher kulturelle – hat mich überrascht und begeistert. Die Innovation Factory geht beides an: Innovation und Kulturveränderung.

Till Wahnbeck, Welthungerhilfe

Kernerkenntnisse

  • Innovation wird wirksam, wenn sie Teil der Identität einer Organisation ist – nicht nur ein Projekt.

    Die größten Fortschritte im Kampf gegen den Hunger entstanden nicht durch externe Lösungen, sondern durch das kollektive Lernen innerhalb der Organisation. Innovation wurde zum gemeinsamen Prozess über Abteilungen, Länder und Hierarchien hinweg.

  • Kultureller Wandel entsteht nicht durch Wissen, sondern durch gemeinsames Tun.

    Das Innovation Camp war kein Trainingsformat, sondern ein realer Arbeitsraum. Methoden wurden nicht theoretisch vermittelt, sondern unmittelbar auf konkrete Problemfelder angewendet. So wurde Innovationskompetenz direkt erlebbar und anschlussfähig für den Alltag.

  • Innovative Organisationen nutzen kluge Kollaborationsarchitekturen, nicht nur Workshops.

    Die Kombination aus internationalen Workshop-Teams und einem digitalen, zeitversetzten Soundingboard ermöglichte eine neue Qualität der Zusammenarbeit. Ideen konnten ohne Zeitverlust iteriert, gespiegelt und geschärft werden – rund um die Uhr, über Kontinente hinweg.

  • Zukunftsfähige Innovation entsteht dort, wo Systeme und Menschen gemeinsam gedacht werden.

    Die stärksten Ergebnisse vereinten technische Präzision mit kultureller Sensibilität. Der Child Growth Monitor ist nicht nur ein Tool, sondern ein Dialoginstrument, das Familien, Gemeinden und Organisation miteinander verbindet.